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Nachdem ich 2002 den Preis für
Namibias junge Unternehmer gewonnen hatte (Namibia Young
Entrepreneur Award 2002), setzte ich mir zum Ziel, mein
Unternehmen stark zu machen und die Gewinne mit dem Township
in Mondesa zu teilen..
Ich bin selbst in Mondesa geboren und Mutter von drei
Kindern. Ich weiß, wie schwer es gerade für Frauen ist, ein
ausreichendes Einkommen zu verdienen. Deswegen war es mir
wichtig, vor allem Frauen und Kinder von Mondesa an meinem
Projekt zu beteiligen: Die Frauen arbeiten überwiegend als
Haushaltshilfen und Kinderfrauen in den gutsituierten
Vierteln von Swakopmund. Mit den Townshiptouren haben sie
nun Gelegenheit, z.B. Souvenirs an Touristen zu verkaufen
und damit ihr kärgliches Einkommen aufzubessern.
Viele kamen auf mich
zu und wollten auf die eine oder andere Weise an der Tour
mitwirken. Es fiel mir schwer, zunächst auch Absagen
erteilen zu müssen. Aber eines Tages soll jeder die
Möglichkeit haben, mit einem eigenen Unternehmen dabei zu
sein.
Es gibt zum Beispiel eine Frau in Mondesa, die ein
außergewöhnliches Talent hat, Bilder und Schmuck zu
gestalten. Bisher saß sie mit ihrem kleinen Angebot
unbeachtet auf der Straße. Mehrere Male war sie ausgeraubt
worden. Ich ermutigte sie, einen kleinen Laden aufzubauen,
der auf der Route meiner Townshiptour liegt. Sie baute eine
kleine Hütte direkt neben ihrem Zuhause – es ist klein, aber
richtig gemütlich darin! Um ihr Angebot zu erweitern, nahm
sie auch Bilder von anderen Künstlern in ihr Sortiment auf.
Die Touristen haben so die Möglichkeit, traditionelle Kunst
zu kaufen und als Erinnerung mit nach Hause zu nehmen.
Wir haben uns oft getroffen und überlegt, wer auf welche
Weise dazu beitragen kann, dass sich Touristen bei uns
wohlfühlen können. Die Frauen befürchteten teilweise, dass
ihre Unterkünfte für Ausländer nicht schön genug und ihre
Produkte nicht professionell genug sind. Als Haushaltshilfen
wussten sie jedoch auch, dass die Touristen neben ehrlicher
Gastfreundschaft vor allem Sauberkeit und Ordnung schätzen
würden. Also eröffnete Aunty Lydia ein afrikanisches
Restaurant OLUPALE LETU, das bedeutet soviel wie “Unsere
Küche”. Sie kocht jetzt für Touristen und Einheimische, die
die Vorzüge der traditionellen Ovamboküche zu schätzen
wissen. Kürzlich hat sie zweimal Menüs an 100 Delegierte
einer Konferenz der SADAC Länder geliefert. Ihr Einkommen
hat sich so erhöht, dass sie nun gut für ihre Familie sorgen
kann.
Ich unterstütze auch Frauen mit HIV/AIDS, die aufgrund ihrer
Krankheit auf dem Arbeitsmarkt überhaupt keine Chance gehabt
hätten. Jetzt aber bauen sie einen Stand auf bevor ich komme
und verkaufen Kunsthandwerk an die Gäste.
Ich bin Sekretärin und Vorstandsmitglied von “Tränen der
Hoffnung” (TEARS OF HOPE), ein Projekt für vernachlässigte
und aidskranke Kinder. Zusammen mit der Gründerin Mrs.
Naftaline sammeln wir Spendengelder.
Ich spende außerdem eine Menge Schreibpapier an Schulen und
Kinderhorte. Vor kurzem auch Fußballtrikots und Bälle an ein
Schulteam. Einmal pro Woche gehe ich in den „Lucky
Kindergarden“, um mit den Kindern zu lesen, Theater zu
spielen oder Musik zu machen.
Um Kinder zu unterstützen, die kein Geld bekommen, um
Schulsachen zu kaufen, habe ich ein Spendenkonto bei der
Standard Bank Namibia eröffnet.
Welchen Einfluss haben nun all diese Projekte auf Mondesa ?
Community tourism trägt nicht nur dazu bei, dass unsere
Natur intakt bleibt, sondern baut auch Brücken zwischen den
einzelnen Kulturen. Wir ermutigen Touristen und Einwohner
Mondesas, sich zu öffnen, voneinander zu erzählen und
vielleicht auch ein paar Brocken einer anderen Sprache zu
lernen. Auf unseren Touren erleben wir es als sehr
bereichend, wie beide Seiten sich mühen, dem Anderen
Einblicke in das eigene Leben zu geben. Die Einwohner
Mondesas lernen auf diese Weise auch, ihre eigene Kultur mit
Stolz zu teilen.
…und die Hindernisse auf meinem Weg?
Ich musste von Anfang an anerkennen, dass wir mit unserem
Unternehmen ziemlich allein innerhalb eines fest etablierten
Reisemarktes standen. Der Tourismussektor in Namibia liegt
in den Händen einer kleinen und privilegierten Minderheit,
die den Kuchen bereits unter sich aufgeteilt zu haben
scheint. Der Großteil der Namibier sieht hingegen nur wenig
Möglichkeiten, an diesem Wirtschaftszweig teilzuhaben.
Das macht es
schwieriger, mich auch über die Gründungsphase hinaus gegen
eine Konkurrenz aus gut ausgebildeten und wohlhabenden
Touristikfachkräften durchzusetzen. Schwierig, aber nicht
unmöglich!
Bisher trafen
Touristen in der Regel auf Schwarzafrikaner, die die Zimmer
putzten, Essen servierten, den Rasen wässerten oder
Schnitzereien verkauften. Mir es wichtig, dass deutlich
wird: Es gibt auch gute Fremdenführer, Künstler, Musiker und
Köche unter uns. Wir können es ausländischen Gästen in einem
afrikanischen Haus gemütlich machen – sogar, wenn das Zimmer
klein ist und es keine Klimaanlage gibt.
Die große Herausforderung für uns in Mondesa
ist also, zu werben, zu wachsen und einen würdigen Platz in
der Tourismusbranche einzunehmen. Zum Nutzen des Landes und
der Reisenden, die uns besuchen. |